Einmischen in die Erziehung – richtig oder falsch?

von Svenja Höse

Das musst du doch anders machen.

Viele Familien haben ein großes Problem. Ihr Baby kommt auf die Welt, stolz wird es der Welt präsentiert. Die junge Familie wird Mama und Papa, eine ganz neue Rolle, eine ganz neue Aufgabe, eine große Herausforderung, aber auch das größte Glück.

Jede Mama, jeder Papa möchte das Beste für das eigene Baby, es wird liebevoll umsorgt, gepflegt, gewickelt, bekuschelt und gefüttert, der kleine Schatz darf zufrieden groß werden. Eine wunderbare kleine Welt in der kleinen Familie, die Aufgaben zu stemmen ist schwer genug und jedes Paar muss sich in diese Rolle erst reinfinden, sich auf das kleine Bündel einlassen. Lernen, die Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Die meisten Familien schaffen das sehr gut. Die ersten holprigen Anfänge werden kompetent gemeistert, die erste Routine macht sich breit, es findet sich ein eigener Rhythmus, und der Tagesablauf wird Schritt für Schritt perfekt auf das Kind abgestimmt. Zweifel verschwinden, Vertrauen baut sich auf. Normalerweise klappt das in den meisten Familien sehr gut – wäre da nicht ein gaanz großer Unsicherheitsfaktor – die eigene Familie, die Ursprungsfamilie, aus der wir selbst kommen. Die eigenen Eltern, Tanten, Schwestern, also die Großeltern, Großtanten, Tanten des eigenen Kindes, und das mütterlicher – UND väterlicherseits.

Du verwöhnst das Kind

Ich erlebe tagtäglich in meinen Kursen und auch bei meinen Patientenfamilien, dass diese Familien garnicht mehr selbst entscheiden dürfen, was das Beste für das eigene Kind ist. Die eigene Intuition wird angezweifelt, von aussen beeinflußt, großer Frust bis hin zur Wut und Trauer entsteht.

Als junge Familie prasseln ganz viele Meinungen und Empfehlungen auf sie ein. Schlaue Bücher, beste Freundinnen mit den ultimativen Tipps, Kinderlose mit schlauen Sprüchen, Elternforen im Internet, Kinderarzt und Hebamme. Jeder weiß gute Ratschläge. Und aus all diesem Informationsbrei findet die Familie schließlich ihren Weg. Den genau richtigen Weg für ihr eigenes Kind.

Und dann kommt die liebe Omi, bewundert das Kind, das gerade zufrieden an der Brust nuckelt und meint es gut mit den Worten – also ich konnte früher auch nicht stillen, lang wirst du das also auch nicht machen können.

Oder sie fragt direkt – stillst du nachts auch? Also das geht garnicht, das Kind muss doch durchschlafen lernen, lass das besser und gib Tee.

Auch schön –  das eigene Kind selig im Tragetuch schlafend, entspannte Ruhe macht sich breit. Doch die Schwiegermutter kräht – du verwöhnst das Kind nur, so wirst du es immer an der Backe haben. Ihr habt früh gelernt im eigenen Bett zu schlafen, das ist besser so.

Noch ein Klassiker – Das Kind schläft bei euch im Bett? Das ist ganz verkehrt, das wird dir nie ausziehen.

Oder später – ach gib doch dem Kind noch ein Gummibärchen vor dem Mittag. Das freut sich doch immer so sehr.

Ist Einmischen in Ordnung?

Grundsätzlich meint es diese Omi, Tante oder Schwester erst einmal garnicht böse. Vermutlich will sie sogar auch nur, das dein Kind bestens aufwächst und groß wird. Manchmal wird diese Person auch mit der eigenen Unsicherheit konfrontiert. Zeiten ändern sich. Was früher völlig normal war ist jetzt überholt. Zu erfahren, das es einem Kind schadet, wenn es sich in den Schlaf schreit verletzt, vielleicht bereut man bestimmte Vorgehensweisen im Nachhinein, weil man schon damals nicht auf die eigene Intuition hören durfte, sondern sich der üblichen Lehrmeinung anpassen musste.

Manchmal ist es aber auch die innere Überzeugung, alte Glaubenssätze, die auf einmal nicht mehr passen. Ein Kind hat im eigenen Bett durchzuschlafen. Warum die jungen Leut das nun anders machen wollen erschließt sich der älteren Generation oft nur schwer.

Häufig ist es aber auch für die eigenen Eltern schwer zu akzeptieren, dass das eigene Kind nun selbst Mama oder Papa geworden ist. Das es nicht mehr erzogen werden muss, eigene Entscheidungen trifft.

Ich hatte das Glück, das unsere Ursprungsfamilien akzeptierten, das sich unsere Ansichten und unser Erziehungsstil von dem unserer Eltern in vielen Bereichen unterscheiden. Ratschläge wurden oft in Fragen verpackt – willst du denn bei der Wärme keinen Tee zufüttern? Wie lange willst du denn noch Stillen? Unsere Eltern waren wirklich interessiert an den Antworten, erstaunt, wie sich Zeiten ändern und standen hinter uns bei allen unseren Entscheidungen und respektierten diese.

Leider ist das nicht in jeder Familie so. Oft erlebe ich – je unsicherer die junge Mama, der junge Papa sind, desto mehr versuchen die Großeltern sich einzumischen. Das führt nicht selten soweit, das (meist) die Mutter der jungen Mama das Zepter übernimmt, Entscheidungen trifft, kritisiert, Regeln und Vorschriften aufstellt und die junge Mama nicht mehr frei und unbeschwert ihr eigenes Kind erziehen darf.

Diese junge Frau hadert dann mit sich selbst. Ihr eigenes Gefühl wünscht sich etwas ganz anderes für ihr Kind. Ihre Intuition (das richtige Bauchgefühl) stößt auf harte Realität, sie wird fremdbestimmt, darf nicht mehr alleine entscheiden, was für das eigene Kind richtig ist.

Achte auf dich – es ist DEIN Kind

Und dabei wäre es ganz leicht – DU entscheidest mit deinem Partner, was dein Kind braucht. Ihr wisst, was für euer Kind richtig und wichtig ist, niemand sonst.

Ein Kind konfrontiert dich auch immer mit deiner eigenen Kindheit, deiner Ursprungsfamilie. Du reflektierst deine eigene Erziehung, dein Partner bringt seine Erlebnisse mit, und so findet ihr gemeinsam einen neuen Weg. Auch dein eigenes Kind wird wieder neu geprägt werden, wenn es irgendwann selbst einmal eine Familie gründet. Und du Oma oder Opa wirst. Das ist ganz normal, das ist gut, das ist das Leben.

Lerne dich abzugrenzen

Nein sagen ist elementar. Nein sagen, Stopp zu sagen, eigene Grenzen einzufordern ist für das eigene Sein sehr wichtig. Doch sehr viele Erwachsene können das nicht. Vielleicht, weil unsere Generation noch gelernt hat, das eigene Bedürfnisse zurückgesteckt werden müssen. Wir brav und angepasst sein müssen, nicht anecken oder stören sollen. Richten wir uns nach Anderen stören wir nicht, fallen nicht unangenehm auf.

Sagen wir nein, geben wir konter. Sind wir mit den Tipps, dem Einmischen der eigenen Ursprungsfamilie nicht einverstanden, treten wir aus dieser bekannten Kindrolle heraus. Werden wir eigene, erwachsene Persönlichkeiten. Und das ist für sehr viele Menschen sehr unangenehm. Mich eingeschlossen. Mir fiel es früher auch viel leichter klein beizugeben und mich nach anderen zu richten, als klar meinen Standpunkt zu vertreten. Doch eigentlich ist es ein völliger Blödsinn.

Warum solltest du weniger wichtig oder wertig sein, als deine Mama, dein Papa oder irgendeine andere Person auf dieser Welt?

Ich möchte dich hiermit motivieren – achte auf dein Herz, achte auf deine eigenen Werte, achte auf deinen Weg, den du für dein Kind gehen möchtest. Passt diese Einstellung nicht ganz mit euren Ursprungsfamilien zusammen, darfst du das akzeptieren und deinen Eltern, Tanten oder wem auch immer auch so vermitteln.

Das muss nicht böse rüberkommen. Du musst nicht gleich verbal eine Watsche austeilen und deiner Familie spiegeln, das deren Meinung falsch oder nicht wichtig ist. Aber du kannst zum Beispiel sagen, das neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, das das Schlafen im Elternbett dem Kind mehr Sicherheit bietet. Das das nahe Kuscheln das Urvertrauen aufbaut, das längeres Stillen das Immunsystem stärkt, das Gummibärchen vor dem Mittagessen dem Körper deines Kindes schädigen und es keinen Hunger mehr haben wird. Das deine Hebamme, oder auch ich – deine Kinderkrankenschwester – dir das empfohlen hat, weil es deinem Kind und dir hilft, eine gute Beziehung aufzubauen.

Du kannst auch deine Familie nach deren eigenen Erfahrungen fragen, dich austauschen. So fühlt sich deine Mama oder dein Papa anerkannt und mit einbezogen, ohne das du deren Ansichten übernehmen musst.

Hol deinen Partner mit ins Boot. Zusammen seid ihr stabiler und sicherer in eurem Auftreten. Suche notfalls ein Gespräch mit der sich einmischenden Person. Du DARFST Grenzen aufzeigen, Du DARFST deinen Weg gehen.

Und wenn diese Person sich wirklich so massiv einmischt, das du auf kein Verständnis stößt darfst du auch die Besuche einschränken, Regeln aufstellen und auch verlangen, das diese eingehalten werden. Auch wenn das bedeutet, das der Kontakt zu dieser Person vielleicht ersteinmal auf Eis gelegt werden muss, bis sich die Wogen glätten, dein Kind größer wird, du klarer bist in deinem Auftreten.

Eine weitere Möglichkeit wäre auch, das du dir professionelle Hilfe holst. Eine Art Mentor, der mit dir zusammen ein Gespräch mit der einmischenden Person sucht. Eine neutrale Person erreicht manchmal mehr Verständnis und Einsicht, als die Tochter/der Sohn.

Es gibt auf jedenfall sehr viele Wege und Möglichkeiten.

Du machst das gut.

Ich versuche aber meinen betreuenden Familien zu vermitteln, das ihr Weg, den sie als Frau und Mann, als junge Mama und junger Papa gemeinsam gehen, der Richtige ist. Euer Kind ist bei euch in den besten Händen. Alle Entscheidungen, die ihr gemeinsam trefft sind für eure kleine Familie in Ordnung. Niemand sonst hat das Recht in eine intakte Familie einzugreifen und sich einzumischen.

Du hast immer die Möglichkeit, dir Rat und Hilfe zu holen und du und dein Partner müsst nichts alleine schaffen. Aber – euer Weg ist der Richtige für Euer Kind.

Mit Liebe kannst du nicht verwöhnen

Und noch etwas am Rande – mit Liebe kann man nicht verwöhnen. 😉 Also schenke deinem Kind soviel Liebe wie du geben kannst, soviel Nähe, wie du schenken magst und geniese diese wunderbare Zeit mit deinem Kind. Und DAS  wird auch hoffentlich noch die allgemein übliche Lehrmeinung in 20-30 Jahren sein, wenn dein eigenes Kind Nachwuchs bekommt.

Und dann darfst du in eine ganz besondere Rolle schlüpfen. Sei stolze Oma oder glücklicher Opa, unterstätze deine Kinder in ihrem Eltern werden, nehme aber auch Rücksicht darauf, ob und wieviel Unterstützung deine Kinder wollen. Mische dich nicht ein, sondern geniese die Zeit mit deinen Enkeln und sei für deine Kinder da ohne zu drängen. Und du wirst sehen, sie werden dankbar sein. Das du da bist. Das du stolz auf sie bist. Das du sie einfach so akzeptierst, wie sie sind. Und ihren eigenen Weg als Eltern finden werden. Genauso, wie du es gerade für und mit deinem Kind tust. Dann machst du auch als Großeltern alles richtig. 😉

Ich wünsche dir ganz tolle Großeltern und Ursprungsfamilien und ganz viel Spaß und Freude mit deinem Kind.

Alles Liebe, deine Svenja, Kinderkrankenschwester, Osteopathin, Heilpraktikerin und 3-fache Mama

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Svenja Höse

Kinderkrankenschwester, Heilpraktikerin
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